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Nach Tansania bin ich noch nicht wieder gereist, habe aber in Kürze einen Besuch dort vor. Ich war im letzten Jahr einige Male in Kenia, wo meine Eltern ihren Wohnsitz haben. Das gab mir auch die Möglichkeit, mich mit meiner damals Mitinhaftierten Alice Wanjira zu treffen.
Als ich in das Gefängnis in Arusha gebracht wurde, saß Alice dort schon seit drei Jahren in Untersuchungshaft.
Ihr Mann, der herzleidend war, erlag eines Nachts einem Herzinfarkt. Sie wurde inhaftiert, die Polizei sagte ihr damals, man müsse den Autopsiebericht abwarten. Wir haben meinen Anwalt Chief Mirambo beauftragt, in ihrer Sache zu recherchieren und er verschaffte sich Einsicht in ihre Akte. Die Akte war leer, sie enthielt nur ihre Personalien. Er fand schließlich den Autopsiebericht am staatlichen Krankenhaus, er sagte eindeutig aus, dass ihr Mann aufgrund eines massiven Herzinfarktes verstorben war. Trotzdem brauchten wir weitere sechs Monate, bis die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Alice fallen ließ!

Ich habe Alice kurz nach ihrer Freilassung im Oktober 2001 in Nairobi getroffen. Wie so viele Frauen in dieser Situation war Alice nun zwar wieder frei, hatte aber keine Arbeit, kein Zuhause mehr, ihre fünf Kinder waren während ihrer Inhaftierung bei Freunden aufgenommen worden, wo sie sich ein winziges Zimmer teilten. Die beiden älteren Jungs versuchten, mit Gelegenheitsarbeiten genug Geld für Essen zu verdienen. Helen, mit 14 Jahren die älteste, hielt ihre Geschwister beisammen. Der jüngste war zu dieser Zeit ein Jahr alt. Es gab kein Geld, die Schule zu besuchen, es reichte gerade für das nackte Überleben.
Ich habe Alice finanziell geholfen, indem ich die Schulgelder für ein Jahr zahlte, für Helen einen Sekretärinnen-Kurs finanzierte und ihr genug Geld gab, für sich und die Kinder eine Unterkunft zu mieten und sich vielleicht irgendwie selbständig zu machen.
In ihrem neuen Zuhause habe ich sie im August besucht. Sie lebt in einer Blechhütte in zwei winzigen Zimmern, für die sie im Monat € 50,00 bezahlen muss, das schluckt fast ihr ganzes Einkommen. Sie stellt Schmuck, Gürtel, Taschen etc. aus Perlen her und versucht, sie auf den Märkten in Nairobi zu verkaufen. Natürlich ist sie nicht die Einzige mit dieser Idee, der Markt ist übersättigt und sie verkauft wenig. Mich ließ der Gedanke nicht mehr los, dass es doch einen Weg geben muss, ihr und Frauen in einer solchen Situation zu helfen! Also kaufte ich ihr einige Sachen ab um zu versuchen, ob ich in Deutschland einen Absatzmarkt finden kann. Allerdings gibt es diese typischen afrikanischen "Curio" Sachen bereits überall ...









Kerstin & Alice



Alice mit Helen und Mirella



Unsere Kinder Patrick, Tell, Lachie, Lorne, Kevin, Helen, Miranda & Mirella